Rote Geranie
Kufstein

Rote Geranie
Kufstein

»Ja – die Blume zitiert ein vertrautes Bild und ist doch was ganz anderes!« — Gabriela Oberkofler

Für die »Südtiroler-Siedlung« in Kufstein gestaltete Gabriela Oberkofler das thematische in-situ-Werk »Geranienblüte«, eine plastische Arbeit basierend auf der »Großen Option« in Südtirol zwischen 1939-1943. Die Südtiroler Bevölkerung war aufgrund eines deutschitalienischen Abkommens gezwungen, sich zu entscheiden, ob sie ihre Heimat verlassen und in das Deutsche Reich auswandern oder unter faschistischen Bedingungen in Südtirol bleiben wollen. Obwohl sich der Großteil der Betroffenen zur Auswanderung entschied, verließen schließlich 75.000 Südtiroler (Optanten) ihre Heimat und fanden vorwiegend in den sogenannten »Südtiroler-Siedlungen« ein neues Zuhause. Die Geranie, im Volksmund auch »Brennende Liab« genannt, ist sowohl in Nord- als auch Südtirol eine beliebte Zierpflanze, die besonders als Balkonblume Verwendung findet. Sie gilt als Symbol sowohl für die Optanten als auch für die Dableiber gleichermaßen. Für die Dableiber wurde die Geranie zum Sinnbild ihrer Identität und man stellte sie als Zeichen des Widerstandes vor die Fenster. Für die Optanten symbolisierte die Blume die Sehnsucht nach der Heimat und den Verlust des eigentlichen Zuhauses. Die Plastik ist zentral zwischen zwei Baukomplexen der Siedlung platziert. Die Positionierung der Arbeit bezieht sich auf einen möglichen Dialog – sowohl zwischen den Bewohnern als auch in Bezug auf die Auseinandersetzung mit dem geschichtlichen Hintergrund. In diesem Kontext versteht Oberkofler ihre Arbeit zugleich als Metapher für Hoffnung und Empathie, welche die Kommunikation in Bezug zur Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft fördern soll.

Kufstein - Rote Geranie

Meraner Straße
6330 Kufstein