Labyrinth
Innsbruck

Labyrinth
Innsbruck

Ein Durchgang ist der Wortherkunft nach kein Ort des Verweilens, sondern der Bewegung. Er dient als Verbindung von A nach B. Ein Nicht-Ort gewissermaßen, dessen Bedeutung eine rein funktionale zu sein scheint. Er selbst wird als architektonischer Raum nicht wahrgenommen, ein Durchgang also, eine Passage.

Peter Kogler greift diese Idee auf und verändert diesen Ort. Er schafft einen neuen, unverwechselbaren Raum. Seine Raumintervention aus matt eloxiertem Aluminium umfasst den gesamten Durchgang, die Decke und die Wände. Er überzieht den Raum mit einer AII-Over-Struktur, einem komplexen Netzwerk aus Linien. Die grafische Schwarz-weiß-Struktur korrespondiert mit dem architektonischen Aspekt des Werkes. Kogler löst mit seinen charakteristischen Vernetzungs­mustern gewohnte Seh- und Wahrnehmungsweisen auf. Jeder, der den Durchgang betritt, befindet sich inmitten des Werkes. Er ist nicht länger Betrachter im eigentlichen Wortsinn, sondern er wird Teil des Werkes. Seine räumliche Wahrnehmung verändert sich durch die subtilen Verdichtungen der Linien, ihre wellenartigen Mäander und die Verschiebungen des gitterartigen Geflechts. Die Bewohner nehmen die Labilität räumlicher Bedingungen ganz unmittelbar wahr. Plötzlich ist der architektonische Raum physisch präsent. Gerade durch die Aufhebung gewohnter Perspektiven wird der Raum direkt erfahrbar.

Kogler verleiht dem an sich unscheinbaren Durchgang eine neue Bedeutung, eine Identität. Dabei greift er jedoch auch das Element der Bewegung auf, entzieht es aber der funktionalen Bedeutung des Raumes. Vielmehr erzeugt er Bewegung durch visuelle Elemente. Der Durchgang wird als Kontrapunkt zum Außenraum an den beiden Enden zum autonomen, begehbaren Bildraum. Im Augenblick des Betretens verändert sich die Welt der Erscheinungen. Die Irritation der Wahrnehmung führt zu einer Bewusstmachung des Räumlichen. Für die Bewohner ist dieser Durchgang nun weit mehr als bloßes Verbindungsstück. Er ist eigenständige Konstruktion einer Wirklichkeit, jenseits der Welt, wie sie uns im Alltag erscheint. Unsere Orientierung, die Gewissheit räumlicher Bedingungen, ja unser Selbstverständnis innerhalb vertrauter Gefüge werden in Frage gestellt.

Neben der Transformation des vertrauten architektonischen Raumes ist Koglers Werk auch immer eine universelle Reflexion über unsere Wahrnehmung und die Frage nach der Wirklichkeit.

Innsbruck - Labyrinth

Am Rossprung
6020 Innsbruck